Als Johnny Cash am 12. September 2003 im Alter von 71 Jahren starb, schrieb die New York Times wenige Tage danach in ihrem Nachruf: „Mr. Cash war einer der wenigen Musiker, die alle Trends überdauert haben und zu einer mythischen Figur geworden sind, die jede Generation auf ein Neues für sich entdeckt hat.“ Tatsächlich umfasste nicht nur die Karriere des Man in Black nahezu fünf Jahrzehnte – denn auch in den 15 Jahren, die seit seinem Tod vergangen sind, ist die Liste seiner Errungenschaften, Auszeichnungen und Hit-Veröffentlichungen stetig länger geworden.

Es gibt nur wenige Künstler, die eine derart mythische Aura umgibt: Nachdem Johnny Cash schon in den Fünfzigern, zeitgleich mit Elvis, Roy Orbison & Co. die Popkultur revolutioniert hatte, begann der Bariton-Gigant vor gut 25 Jahren, in den frühen Neunzigern, sein großes American Recordings-Projekt mit Producer-Ikone Rick Rubin, womit der Singer/Songwriter im letzten Jahrzehnt seiner Karriere ein ganz neues Publikum erreichte – nicht zuletzt durch Coverversionen von U2, Nine Inch Nails oder auch Depeche Mode.

Angekurbelt von dieser letzten großen Renaissance-Phase, löste der Tod des Sängers im Jahr 2003 eine Welle der Anteilnahme und ein gewaltiges Interesse an seinem Leben und Werk aus: Das Cash-Biopic Walk The Line mit Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon wurde für fünf Oscars nominiert (Witherspoon gewann den Preis schließlich auch). „Im Verlauf seiner Karriere, in deren Rahmen er über 1.500 Songs aufnehmen sollte, hat Mr. Cash seine raue Stimme in so gut wie jedem Genre eingesetzt: Blues, Hymnen, Cowboy-Songs, Indianer-Balladen, Railroad-Songs, Kinderlieder, Liebeslieder – all das und mehr hat er mit einer Monotonie eingesungen, die man als gesangliches Pendant zu einem Denkmal aus Stein bezeichnen muss“, hieß es weiter im Nachruf der NY Times – wobei sich diese Vielfalt allein in den American Recordings der letzten Schaffensphase niederschlägt, in deren Rahmen er immer wieder neue Genres einbezog und extrem vielseitiges Material aufnehmen sollte.

Nachdem erst im Jahr 2010 der sechste und letzte Teil der American-Recordings-Serie erschienen war, kam vor drei Jahren das exklusive Vinyl-Box-Set mit allen Alben auf den Markt: American Recordings, American Recordings II: Unchained, American Recordings III: Solitary Man, American Recordings IV: The Man Comes Around, American Recordings V: A Hundred Highways und American Recordings VI: Ain’t No Grave. Auch das gefeierte, kurz nach dem Tod erschienene Outtakes-Meisterwerk Unearthed, das weitere vier Stunden Material der Legende vereint (u.a. auch Aufnahmen mit Red Hot Chili Peppers, Tom Petty, Nick Cave, Fiona Apple und Joe Strummer), ist seit November 2017 auf Vinyl erhältlich.

Ein wahres Sammlerstück: die Vinyl-Box mit den gesamten „American Recordings“

Auch zum 15. Todestag zieht der Katalog des Man in Black einen Kometenschweif hinter sich her, der niemals verglühen wird.

Hört hier rein in das Meisterwerk American Recordings IV: The Man Comes Around:

 

 

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