Was für ein Konzert-Jahr! Es ist erfreulich, dass jedes Jahr viele Country- und Americana-Künstler nach Europa kommen, um ihre Musik live vorzustellen. Vor allem in Großbritannien schauen zunehmend auch große Namen vorbei, und das nicht nur beim bekannten C2C-Festival, das jährlich in London, Dublin und Glasgow stattfindet. Wir wünschen uns für das neue Jahr, dass weitere Countrystars den Weg nach Deutschland finden, denn auch hierzulande wächst das Genre und die Anzahl der Fans.

Wir hatten das Glück, 2017 sehr viele Konzerte im In- und Ausland besuchen zu können, und fanden es wirklich schwer, die besten Live-Erlebnisse zu bestimmen. Aber nach langen und leidenschaftlichen Diskussionsrunden in der Redaktion von Country & Co. konnten wir uns nun auf diese Konzerterlebnisse einigen.

PLATZ 10 – Kris Kristofferson, Blues Garage, Isernhagen
Früher war die stimmliche Leistung der Country-Legende Kris Kristofferson etwas beeindruckender als heute mit seinen mittlerweile 81 Jahren. Trotzdem war sein intimes Kneipenkonzert in der Blues Garage in Isernhagen ein einzigartiges Erlebnis, denn so dicht dran am Superstar war bisher wahrscheinlich kaum einer der 450 Fans, die das herzergreifende Konzert des großen Kristofferson erleben durften.

PLATZ 9 – Miranda Lambert, CMA Music Festival, Nashville
Was bei Miranda Lambert immer sofort auffällt, wenn sie auf der Bühne steht, ist ihre erfrischende No-Bullshit-Attitude. Die 34-Jährige Texanerin spielte eine aufregende Mischung aus traditionellem Country und Country-Rock, und ist eine Wucht auf der Bühne. Im Nissan Stadium beim CMA Fest sind die Konzerte immer sehr kurz (30 Minuten), aber diese Zeit langte der hübschen Powerlady, um die Fans für sich zu gewinnen. Explosiv!

PLATZ 8 – Garth Brooks, CMA Music Festival, Nashville
Alleine der Überraschungsmoment war ein großes Erlebnis! Die Stimmung im Nissan Stadium war bereits ordentlich aufgeheizt und plötzlich stand er da auf der Bühne: der Garth Brooks! Angekündigt war er nicht, aber in Nashville kommt auch mal eine Legende kurz vorbei. Wie man ihn kennt: mit einem schlichten Hemd und der markanten Gürtelschnalle unter dem gesunden Bauchansatz. Das ist der Garth den wir lieben, so wie zu seinen Glanzzeiten in den 90ern, nur älter und mit ein paar mehr Kilo auf den Rippen. Wer den 55-Jährigen live erlebt hat weiß um seine Entertainment-Qualitäten und auch dieser Abend wurde sofort zum Heimspiel. Vor allem beim Medley von einigen seiner größten Hits (u.a. „The Dance“ und „Friends In Low Places“) tobte und feierte das textsichere Publikum.

PLATZ 7 – Colter Wall, Tønder Festival, Dänemark
Der junge Colter Wall hat die hohen Erwartungen bei beim diesjährigen Tønder-Festival mehr als erfüllt: mit tiefer Stimme und extremer Coolness sang sich der bärtige Kanadier durch sein exquisites Vintage-Repertoire. Nicht wenige dachten fühlten sich an den Man in Black erinnert!

PLATZ 6 – The Cadillac Three, Technikum, München
Zugegeben, bei den Konzerten von The Cadillac Three wird es auch mal laut und dreckig. Wer Southern- und Country-Rock mag, wird diesem dynamischen Nashville-Trios zu Füßen legen. Im Herbst kehrten Jaren Johnston, Kelby Ray und Neil Mason mit ihrem neuen Album Legacy nach Deutschland zurück und lieferten eine vielseitige Show ab. Wir waren danach ein bisschen taub, aber das Konzert war einfach geil!

PLATZ 5 – Lukas Nelson & Promise of the Real, Musik & Frieden, Berlin
Lukas Nelson singt – ganz der Vater Willie – vom Kräuterzigaretten-Konsum („Carolina“), aber auch vom klassischen Kentucky-Stoff, wie der traditionellen Schwarzbrennerei („Running Shine“) und spielt dazu mal perlend, mal aufbrausend heulend seine E-Gitarre. Überhaupt haben Nelson und seine Jungs an diesem Abend in Berlin die Gesten und den Geist einer klassischen Rockband vollends verinnerlicht. Hie und da hört man natürlich seine Country-Einflüsse. Erstaunlich wie Nelson es schafft, das sonst so verhaltene Berliner Publikum gleich nach dem ersten Song zum tanzen zu bringen. Ganz große Klasse!

PLATZ 4 – CMA Songwriters Series, Columbia Theater, Berlin
Die CMA Songwriters Series feierte im Oktober mit den talentierten Künstlern Brandy ClarkMarcus und Levi HummonAngaleena Presley und Michael Tyler im Berliner Columbia Theater Deutschlandpremiere. Es war ein ganz besonderer Abend mit großartiger Musik, Behind-The-Scenes Geschichten und ein gut aufgelegtes, interaktives Publikum. Gleich nach den ersten Songs (Brandy Clark mit ihrem Miranda Lambert-Hit „Mama’s Broken Heart“ und Marcus Hummon mit seinem Tim McGraw-Hit „One of These Days“) war das Publikum ganz bei der Sache. Es wurde mitgesungen, mitgeklatscht, reingerufen und auch mal mitgepfiffen und laut gelacht. Als Zuschauer gewann man den Eindruck, hinter der magischen Kulisse der kreativen Musikbranche gelassen worden zu sein, und dafür bedankten sich die rund 150, aus ganz Deutschland angereisten Country-Fans mit ihrer ungeteilten Aufmerksamkeit. Selten wurde so wenig zwischen den Reihen gequatscht und selten hat ein Publikum ein Konzertabend so stark mitgestaltet. Die einzigartige, warme Atmosphäre, die im Columbia Theater an diesem Abend entstand, wird für alle Konzertbesucher unvergessen bleiben.

PLATZ 3 – Marty Stuart & His Fabulous Superlatives, C2C, London
Die Country-Koryphäe Marty Stuart ist schon sehr lange im Musikgeschäft. Der begnadete Gitarrist spielte in den 80ern in Johnny Cashs Band (und heiratete dessen Töchterchen Cindy), hat eine eigene TV-Show The Marty Stuart Show, in der er im Stil der klassischen TV-Sendungen wie z.B. The Porter Wagoner Show, traditionelle Country Music vorstellt. Der alte Fuchs Stuart nahm an jenem Abend Jung und Alt mit auf eine Reise in die Welt der traditionellen Country Music. Mit viel Witz, Respekt und auf unterhaltsame Art brachte er dem Publikum die good ole days näher. Bluegrass, Honky Tonk, Rockabilly, Country & Western. Die Fans tanzten auf den Rängen. Eine so gelungene Show haben wir selten erlebt.

PLATZ 2 – Brad Paisley, C2C, London & CMA Music Festival, Nashville
Auf der Hauptbühne des C2C-Festivals in der großen O2-Arena in London präsentierte Brad Paisley dem bestens gelaunten Publikum neben Klassikern wie „Whiskey Lullaby“ und „This Is Country Music“, auch einige seiner neuen Songs. Egal was der Gitarren-Virtuose Paisley an diesem Abend in London anstellte: die Fans hingen an seinen Lippen und fanden es einfach klasse, wie er seine Version von rockigem Country Music präsentierte. Gegen Ende schüttelt Paisley einen prominenten Überraschungsgast aus dem Ärmel: Carrie Underwood, die in Großbritannien sehr populär ist und letztes Jahr C2C-Headliner war. Carrie war natürlich nicht nach London gereist, nein, Paisley rief sie über Facetime an, und gemeinsam sangen sie ihren Hit-Song „Remind Me“. Ein tolle und durchaus gelungene Idee. Auch beim CMA Fest überzeugte der 45-Jährige Paisley.

PLATZ 1 – Brothers Osborne, C2C, London & CMA Music Festival, Nashville
Im Januar 2016 veröffentlichten sie ihr Debütalbum Pawn Shop in Deutschland. Ein phänomenales Album, das definitiv zu wenig Beachtung in den Medien fand. Live auf der Bühne in London wirkten die Songs noch stärker und das wunderschöne Gitarrenspiel des älteren Bruders John Osborne war Anwärter für den größten Gänshehautmoment an jenem Abend. Musikalisch klingen Brothers Osborne erfrischend oldschool. Nach ihrem größten Hit „Stay A Little Longer“ und Johns virtuosem Gitarrensolo tobte das Publikum auf allen Rängen. Wir hoffen sehr, dass sie irgendwann einmal nach Deutschland kommen. Ach ja und beim CMA Fest mussten die Osbornes für Chris Stapleton einspringen, der sich einen Finger gebrochen hatte. Damn! Das haben sie gut gemacht!

Titelfoto: (c) C2C / Luke-Dyson // Brothers Osborne: (c) C2C Country to Country (Facebook)

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