Garth Brooks hat so ziemlich jeden Rekord in der Musik-Industrie gebrochen. Trotzdem macht der Mann weiter und weiter. Dem Branchen-Magazin Billboard gab er kürzlich ein ausführliches Interview. So nebenbei: am 7. Februar feiert der Country-Erneuerer seinen 56. Geburtstag.

Mit 56 könnte man es schon etwas geruhsamer angehen lassen. Nicht aber Garth Brooks. Der am 7. Februar 1962 in Tulsa, Oklahoma, geborene Sänger, Songschreiber und – nicht zuletzt – Entertainer von Gottes Gnaden erlebt offenbar gerade seinen zweiten, vielleicht dritten Frühling. Gerade erst hat er seine World-Tournee beendet. Eine Konzertreise, die im September 2014 begann und am 23. Dezember 2017 in Nashvilles’ Bridgestone Arena zu Ende ging. Bilanz: 390 Vorstellungen. 78 Städte. 6,4 Millionen Tickets.

Man muss es kaum erwähnen, dass er auch damit einen weiteren Rekord aufgestellt hat: niemals vorher hat ein Künstler mehr Tickets bei einer Nordamerika-Tour verkauft. Und wie er das gemacht hat: Bis zu elf Shows spielte Brooks in einer einzelnen Stadt, im Durchschnitt strömten pro Auftrittsort 80.000 Fans zu seinem Konzert. Keine Frage, nach seiner Bühnenpause von 2000 bis 2009 – unterbrochen von einzelnen Shows – holt der Superstar des Country gehörig auf. „Ich könnte ewig weiter machen“, sagte er im Interview mit Billboard, „Live-Auftritte sind der schönste Teil des Jobs.“ Weniger angenehm sei für ihn dagegen „der geschäftliche Part.“

Ein gut aufgelegter Garth in der Ellen Show:

Würde man bei ihm gar nicht mal vermuten. Schließlich ist Garth Brooks nicht nur ein zahlenorientierter Künstler, dem Rekordmarken – wie über 170 Millionen verkaufte Alben, 17 American Music- und elf CMA-Awards – wichtig und stets präsent sind. Er ist zudem diplomierter Betriebswirt. Er kann rechnen, er versteht etwas von Marketing und Strategien. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – hielt er die Ticketpreise für seine gerade absolvierte Mammut-Tournee extrem fanfreundlich: inklusive Steuern und Abgaben kostete Garth Brooks live gerade mal runde 70 Dollar. Damit war das G.B.-Ticket fünf bis zehnmal günstiger als die Eintrittskarte anderer Superstars. Wieso? Ist er ein Gutmensch? Ein Gutmensch, der nicht rechnen kann? „Ich würde ja gerne sagen, dass dahinter ein ganz ausgeklügelter Business-Plan steht“, verriet er dem Reporter, „aber ich glaube es ist etwas anderes: purer Egoismus. Schließlich gibt es nichts cooleres, als vor 18.000 Menschen zu spielen. Und wenn diese 18.000 Leute nach dem zweistündigen Konzert nach Hause gehen, warten erneut 18.000 Fans darauf, in die Arena zu kommen. Gibt’s etwas Egoistischeres?“

Tatsächlich hat Garth Brooks während dieser Tournee – auf Grund immenser Ticketnachfrage und Verfügbarkeit der Arenen – häufig zwei Shows hintereinander an einem Tag gegeben. Nicht selten waren das jeweils 18.000 Menschen, die Brooks & Band hochkarätig bespaßten. Oft genug war für die Überstunden schiebenden Musiker erst um zwei Uhr Morgens Feierabend. Verständlicherweise nagten die Strapazen am Tourtross – inklusive Chef. „Ich kann mich erinnern, wie ich in an einem späten Oktoberabend in Lincoln, Nebraska, auf die Bühne musste. Ich war so platt, dachte, ich komme einfach nicht auf Touren. Da sah ich vor der Bühne zwei junge Mädchen, jünger als meine Töchter, und die kreischten sich die Seele aus dem Leib und weinten vor Glück – nur weil sie es zum Konzert geschafft haben. Da wusste ich: Ich sollte weinen – vor Glück, hier zu sein. Das gab mir den Kick.“

Von den 390 Shows hat Brooks keine einzige abgesagt. Absage? Ein Wort, das offenbar nicht im Wortschatz des Vollblutmusikers vorkommt. Einmal, sagt er, einmal musste er einen Gig in Chattanooga sausen lassen, weil der Bus seinen Geist aufgab. Dieses eine Mal war Anno 1989. Seitdem: Wo Garth Brooks auf dem Plakat steht, ist Country-Show drin. Leider aber wohl wieder nicht in diesem Jahr in Europa. Oder doch? Bei einem wie ihn kann man nie wissen. Happy Birthday Mister Brooks!

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