Spätestens seit dem doppelten Grammy-Gewinn 2016 für das beste Americana-Album (Something More Than Free) und den besten amerikanischen Roots-Song („24 Frames“) gilt der ehemalige Drive-By-Truckers-Gitarrist Jason Isbell als neues Aushängeschild des Alternative Country. Auf seinem (noch nicht) ausgezeichneten aktuellen Album, The Nashville Sound, führt Isbell nicht nur erstmals seit langem wieder den Bandzusatz mit im Namen, sondern auch seinen künstlerischen Siegeszug fort.

Von eingangs erwähnten Preisen zeigt sich der Sänger, Songschreiber und Gitarrist indes recht unbeeindruckt. Großen künstlerischen Druck habe er nach Empfang besagter Trophäen jedenfalls nicht verspürt, gesteht Isbell. „Um weiterhin gute Arbeit abzuliefern, muss man versuchen solche Auszeichnungen und Erfolge einfach nicht zu nah an sich ranzulassen. Southeastern (2013) war noch vor Something More Than Free eine große und wichtige Platte für uns und ich habe damals schon gelernt, auch sehr positive Reaktionen auszublenden. Ich stecke meine Energie und Aufmerksamkeit lieber weiterhin allein in die Songs“, gibt sich Isbell bescheiden pragmatisch.

Womit wir im Thema wären. Stilistisch breit aufgestellt und mit Band-Rückenwind repräsentiert ein Song wie „Cumberland Gap“ Jason Isbells Vorliebe für rostigen Country Rock der Marke Neil Young. Im wütenden, wenn auch keinesfalls resignativen, „Hope The High Road“ hingegen lässt sich neben der musikalischen Inspiration auch die liberal-kritisch geprägte Protest-Haltung eines Bruce Springsteens heraushören.

Jason Isbell And The 400 Unit – „Hope The High Road“ (2017):

„Ich finde es gut, wenn Leute überrascht sind, wenn sie die Platte hören, weil es eben nicht das ist, was sie bei dem Albumnamen erwartet haben“, erläutert Isbell. Denn trotz Aufnahme mit Stammproduzent Dave Cobb in den ehrwürdigen RCA Studios klingt The Nashville Sound so gar nicht nach dem gleichnamigen Stilinbegriff der Fünfziger und Sechziger. „Die Musik, die heute in Nashville entsteht, ist so vielseitig. Dazu kommt eine neue Popularität, die von Leuten wie Jack White oder den Black Keys angetrieben wird – Nashville hat mittlerweile auch einen Namen in Rock’n’Roll-, Punk- und Hip-Hop-Kreisen. Das ist eine deutliche Veränderung gegenüber früher, die ich mit dem Titel unterstreichen wollte. Der Nashville Sound entwickelt sich weiter. Was auch für uns als Band gilt – wir lassen uns auch nicht so leicht in nur eine Schublade stecken.“

Davon zeugt beispielsweise die bitter-süße Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit und der eigenen Sterblichkeit, wie sie nur Isbell auf dem fragilen, düster-romantischen „If We Were Vampires“ im stimmlichen Einklang mit seiner Ehefrau und Violinistin Amanda Shires so poetisch zur Sprache bringen kann.

Jason Isbell And The 400 Unit – „If We Were Vampires“ (2017):

„Je älter man wird, umso mehr realisiert man, dass man nur eine begrenzte Zeit auf Erden hat. Und das ist die größte Motivation von allen“, so der 38-jährige, „Wie sagt man so schön: Der Tod ist ein Teil des Lebens. So sehe ich die Dinge und die Welt eben. Das Wichtigste ist, dass man seine Geschichten so ehrlich wie möglich erzählen muss“, verkündet Jason Isbell eine der ältesten Songschreiber-Wahrheiten. Und erklärt damit auch, was seinen Liedern diese Authentizität und Zeitlosigkeit verleiht.

Jason Isbell And The 400 Unit kommen im November auf Deutschland-Tour. Als Opener ist die wunderbare Tift Merritt dabei. Tickets gibt es z.B. hier.

Hört hier rein in das Album The Nashville Sound:

Ähnliche Artikel auf Country & Co.