Am 11. Oktober 1957 erschien ein gewisser Johnny Cash, der vorab schon durch einige Hitsingles aufsehen erregt hatte, mit seinem Debüt-Album Johnny Cash With His Hot and Blue Guitar endgültig auf sämtlichen Country-Bildflächen. Das über Sun Records veröffentlichte Werk veränderte das Genre wie kaum ein anderes Album.

Da wäre man schon gerne dabei gewesen: Als Johnny Cash, noch keine 25 Jahre alt, etwas schüchtern und unbeholfen, trotzdem aber extrem ehrgeizig und von sich überzeugt, das erste Mal im Studio war, um seine ersten Songs aufzunehmen und bei dem Mann vorzusingen, der Elvis Presley erfand. Es muss magisch gewesen sein. Johnny Cash Mitte der 50er Jahre in den, schon damals, von legendärer Aura durchwobenen Sun Studios in Memphis. Am Pult kein Geringerer als Sam Phillips. Ja! Legendentreffen. Ja! Musikgeschichte geschrieben.

Als es an die ersten Aufnahmen ging, dürfte dem stämmigen Kerl aus Kingsland, Arkansas, ganz schön die Düse gegangen sein. Sam Philips, Sun Label-Chef und Produzent, genoss schließlich einen fürchterlichen Ruf als Perfektionist. Und: Johnny Cash konnte den gestrengen Musikboss nicht auf Anhieb überzeugen. Gar nicht. Er scheiterte mit seinem ersten Versuchen geradezu grandios. Das lag aber weniger an seiner Stimme, und schon gar nicht an seiner Präsenz, sondern am Songmaterial. Cash wollte Gospel-Songs aufnehmen, Philips nicht. Deshalb schickte er den talentierten Rookie mit der Hausaufgabe Heim, sich neue, andere, rockigere, modernere Songs einfallen zu lassen.

Auch da wäre man gerne dabei gewesen: Johnny Cash nach einer Ansage, nach einer Absage – um dann jedoch, gleich dem berühmten Phönix aus der Asche, mit den Titeln „Hey Porter!“ und „Cry! Cry! Cry!“ aus dem verworfenen Song-Material emporzusteigen. Zwei Songs, mit denen der später als Man in Black zur Legende werdende Sänger den kritischen Musikmanager sofort überzeugen konnte. Philips nahm die beiden Songs auf und veröffentlichte sie als Single. Zur Seite standen Johnny Cash bei den Aufnahmen Gitarrist Luther Perkins und Bassist Marshall Grant, besser bekannt als The Tennessee Two.

„Cry! Cry! Cry!“ schlug sofort in der Country-Gemeinde ein und erreichte Platz 14 in den Charts. Der Song ist heute noch atemberaubend. Die Weichen für das Debüt-Album waren gestellt, und zwar in die richtige Richtung: nach oben. Ganz, ganz weit nach oben. Dabei publizierte Sun Records bis dahin eigentlich gar keine Alben. Das Label hatte bis dahin nur Singles herausgebracht. Insgesamt veröffentlichte Philips – neben dem Vorläufer „Cry! Cry! Cry!“ – noch drei weitere Songs, die später mit auf das Album kamen: „Folsom Prison Blues“ landete auf Platz drei der Country- und Platz 17 der Pop-Charts, „So Doggone Lonesome“ brachte es auf Platz vier der Country-Liste und „I Walk The Line“ bescherte dem Debütanten erstmals Platz eins der Country-Hitparade. Auf dem Thron des Genres verweilte Mr. Cash, abgesehen von ein paar Auszeiten, bis zu seinem Ableben im Jahr 2003.

Die zwölf Songs von Johnny Cash With His Hot and Blue Guitar ebneten den Weg für Cashs Triumphzug. Titel wie, die Jimmie Davis/Hank Williams-Komposition „I Heard That Lonesome Whistle“, das Gospel-angehauchte „If The Good Lord’s Willing“ von Jerry Reed, die von Stuart Hamblen kunstvoll gestrickte Liebesballade „Remember Me“ und natürlich: die grandiosen Johnny-Cash-Eigengewächse „Country Boy“, „Folsom Prison Blues“, das erwähnte „Cry! Cry! Cry!“ und sein später zur persönlichen Hymne gewordenes „I Walk The Line“.

Hört hier rein in das 1957er Album:

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