Er sieht aus wie ein Cowboy aus dem Bilderbuch. Seit über einem Vierteljahrhundert singt Alan Jackson vom Leben, der Liebe und ein bisschen von Jesus. In der Tradition von Hank Williams und Merle Haggard steht er für den echten Country-Sänger, dem man jedes Wort glaubt und der einem Tränen in die Augen bringt. Gemeinsam mit George Strait verkörpert der Südstaatler den neotraditionellen Country. Er gehört zu den beliebtesten Honky-Tonk und Western-Swing-Sängern Amerikas.

Jackson hat über sechzig Millionen Alben verkauft, was ihn unter die zehn Country-Bestseller aller Zeiten bringt. Mehr als zwanzig Singles von ihm führten bisher die US-Charts an. Jeder Country-Fan kennt „Don’t Rock the Jukebox“, „Chattahoochee“ und „Where Were You (When the World Stopped Turning)“ von ihm.

Was ist das Geheimnis seines Erfolgs? Alan Jackson ist als Countrysänger das Pendant großartiger Method-Actor wie Marlon Brando: „Seine Größe macht aus, dass er scheinbar gar nichts macht“, kommentierte kürzlich sein Kollege Joe Nichols im TV-Special „The 20 Greatest Men in Country Music“ bei CMT. „Er bringt den Song einfach rüber, und das macht er mit einem sehr guten, ehrlichen, traditionellen Country-Twang.“ Jackson bleibt immer komplett er selbst. Die meisten Songs seiner bisher veröffentlichten 17 Studioalben hat er selbst geschrieben.

Alan Jackson kam 1958 in Newnan, Georgia zur Welt, als letztes von fünf Geschwistern. Sein Vater war Automechaniker, und auch er machte zunächst nach der Schule eine Lehre, arbeitete auf dem Bau. Mit zwanzig gründete er seine erste Band. 1979 heiratete Jackson seine Highschool-Liebe Denise, mit der er heute noch zusammen ist und drei Töchter hat. Die frühen 1980er hindurch hielt er sich mit Gelegenheitsjobs und sporadischen Auftritten über Wasser. 1985 zogen sie nach Nashville. Vor seinem Solo-Debüt arbeitete Jackson im Nashville-Network: als Songwriter und Demosänger. Für 25 Dollar sang er das Demo von Travis Tritts erstem Hit „Country Club“. Seine Herkunft hat ihn einmal mehr zum Countrysänger der einfachen Leute gemacht, für die er sich aktiv engagiert, wie im November 2015 als Galionsfigur von Habitat for Humanity. Glamour sucht man bei Alan Jackson vergeblich.

2015 veröffentlichte Alan Jackson sein 17. Studioalbum „Angels and Alcohol“

1989 nahm ihn das damals neu gegründete Label Arista Records unter Vertrag. 1990 erreichte Jackson mit seinem Debütalbum Here In The Real World die Top-5 der Countrycharts. Das Album hielt sich dort über ein Jahr und etablierte ihn in der Fünften Generation neuer Countrysänger, an der Seite seines Freundes und Rivalen Travis Tritt, neben Vince Gill und Brooks & Dunn. Sie alle gingen nach dem verwässerten Pop-Country der 1980er back to the roots. „Den größten Antrieb bekam ich damals davon, dass wir nichts hatten, als ich aufwuchs“, sagt Jackson. Anders als viele seiner Peers hat er nie in seiner Jugend Popmusik gehört, sondern nur traditionellen Country. So  einfach erklärt sich der puristische Sound Jacksons.

Seine nächsten beiden Alben Don´t Rock The Jukebox und A lot About Livin´(and a little `Bout Love) brachten jeweils fünf Nr-1.-Singles hervor, darunter die Hymnen „Love´s Got a Hold on You“ und seinen Signature-Song „Chattahoochee“. Mit dem darauf folgenden Longplayer Wo I Am knackte Jackson die 10-Millionen-Verkaufsmarke in den USA. Das Trauma von 9/11 verarbeitete er im Song „Where Were You (When the World Stopped Turning)“, mit dem er seinen ersten Grammy gewann.

In dieser Zeit stand bei Jackson auch ein Bluegrass-Album in den Startlöchern. Es wurde aufgrund des alles überrennenden Film-Soundtracks von O Brother, Where Art Thou? jedoch auf Eis gelegt. 2006 produzierte die Bluegrass-Prinzessin Alison Krauss das Studio-Album Like Red On A Rose von Jackson, das sich jedoch nicht vom traditionellen Country weg bewegt. Den Traum des Bluegrass-Albums erfüllte sich der Country-Star 2013 mit dem schlicht mit The Bluegrass Album betiteltem Longplayer, der acht Original-Songs aus Jacksons Feder und drei Cover enthält. Der Einzug in die Bluegrass-Arena – ein Unterfangen, an dem sich so mancher Country-Kollege die Finger verbrannte. Puristen betonen die verschiedenen Wurzeln beider Genres: Bluegrass ist ein Kind von Folk und Jazz. Es geht dort nicht so sehr ums Geschichten erzählen und mehr um die Musik. Doch die US-amerikanische Fachpresse hat Jacksons The Bluegrass Album den Echtheits-Stempel gegeben. Der 57-Jährige sei „durchaus ein Bluegrass-Songschreiber“ und habe „mit dieser Veröffentlichung den Nagel auf den Kopf getroffen. Seine Originale erreichen das Herz und die Seele von Bluegrass“, rezensierte das Bluegrass-Magazin Cybergrass.

2014 feierte Nashvilles bekanntester Schnurrbartträger sein 25-jähriges Karriere-Jubiläum. Im Sommer 2015 polarisierte Jackson das Country-Publikum mit dem Titelsong seines jüngsten Albums Angels and Alcohol und stellte für sich klar, dass die beiden nicht zusammengehen: „you can´t mix angels and alcohol“. Im trinkfreudigen Amerika, insbesondere der heutigen hedonistischen Bro-Country-Szene, würde so ein Statement andere in die Nische verbannen. Nicht den großen Country-Puristen Jackson, der mit dem Album den Spitzenplatz der Country- und die Top-5 der US-amerikanischen Popcharts erreichte.

Was er auch macht, er macht es richtig. Alan Jackson lässt seine vielen Fans nach mehr hungern und dursten.