Sein Weg zum Erfolg war steinig. Als er nach Nashville zog, arbeitete Billy Currington auf dem Bau und lebte in einem handtuchgroßen Dachzimmer. 2003 schaffte er es in die Radiocharts, und von da an ging es bergauf. Auf seinen bisher sechs veröffentlichten Studioalben zeigt sich der 43-Jährige ohne Star-Allüren. Egal, ob Currington wilde Partysongs oder sanfte Balladen singt – er bleibt der Mann von nebenan, mit dem man abends ein Bier trinken kann oder am Samstag zum Fischen geht.

In den Fußstapfen Alan Jacksons und John Mellencamps, parallel mit Peers wie Rhett Akins und Eric Church, hat Currington seinen festen Platz in der neuen Country-Generation, er gilt als einer ihrer souligsten Sänger. „Billy ist ein geschickter Interpret mit der Gabe, jeder Song-Sammlung eine Seele einzuhauchen“, kommentierte 2013 das Country-Fachblatt Country Weekly sein Album We Are Tonight. „Zwischen wehmütiger Nachdenklichkeit und ungezwungener Lust bietet er jedem Country-Liebhaber etwas.“ Seine sinnliche Tenorstimme ist nicht zwingend auf Country festgelegt. Optisch verzichtet Currington auf die im Genre omnipräsente Kopfbedeckung. Der athletische Beau kommt ohne den Cowboyhut aus. So wie auch die hutlosen Country-Superstars Vince Gill und Dierks Bentley ihre Individualität betonen, reicht Currington seine üppige dunkelblonde Lockenpracht auf dem Kopf.

Mit „Hey Girl“ hatte der Sänger 2013 einen Nr. 1-Hit:

Billy Currington ist ein Kind des Meeres. Er kam auf der Tybee-Insel vor Georgia zur Welt, bevor seine Familie aufs Festland, nach Rincon umzug. Zu Hause lief die Musik von Willie Nelson und Waylon Jennings. Als er zehn war, nahm ihn seine Mutter mit auf ein Konzert von Kenny Rogers, das eine Weiche in seinem Leben stellte. So wie die vieler Soul- und Countrysänger begann auch Curringtons Sängerkarriere in der Kirche. „Als ich 17 war, gab es bei uns einen Pfarrer, der in seiner Kirche eine kleine Band hatte“, erzählt er. „Ich ging sonntags hin, und bald darauf fragten mich die Jungs, ob ich bei ihnen als Sänger einsteigen wollte.“ Sie spielten auch in Clubs, in die sie den Minderjährigen einschleusten. Nicht lang danach ging es nach Nashville, und Currington wurde sonnenklar, dies war der Ort seiner Träume. Mit 18 packte er die Koffer und sprang ins kalte Wasser der Music City. Er legte tagsüber Betonfußböden, arbeitete als Trainer im Fitnessstudio und sang nachts für Trinkgeld in Bars. Irgendwann baute er sich einen Ruf als Sänger von Demos auf. „Ich traf mit der Zeit alle diese Songwriter, sang schließlich zehn Demos am Tag ein.“ Die Türen gingen auf, umgehend kamen die Angebote der Plattenfirmen. Currington unterschrieb schließlich beim Majorlabel Mercury Records.

Gleich seine ersten Single, das autobiografische „Walk A Little Straighter“ zeigte Currington als Singer-Songwriter mit Tiefgang. Der Song handelt von einem kleinen Jungen, der seinen betrunkenen Vater ermahnt, gerade zu gehen, macht dann einen Zeitsprung zur Abiturfeier, auf der dieser Vater immer noch betrunken herumtorkelt und endet mit dem festen Vorsatz, selbst nie so zu werden. Schwieriges Thema, gerade in den USA, wo Alkoholismus die drittgrößte Todesursache bei Erwachsenen ist. „Walk A Little Straighter“ zog geradewegs in die Top-10.

Bisher hat Currington zehn Nr.-1-Singles in die US-amerikanischen Country-Charts gebracht, zuletzt „Don’t It“ vom aktuellen Album Summer Forever (2015). Der Song wurde von Jaren Johnston (The Cadillac Three), Ashley Gorley und Ross Copperman geschrieben.

Mit Shania Twain brachte er sich auf der Single „Party For Two“ auch in Kanada in die Top-10. Sein zweites Album „Doin´ Somethin´ Right“ hat sich in den USA millionenfach verkauft, und immer noch macht es der Sonnyboy aus Georgia richtig. „Jahrelang habe ich gearbeitet und nun bekommen, was ich wollte“, sagt der Singer-Songwriter, der nach einigen Jahren in Nashville wieder nach Tybee gezogen ist. Musikalisch ist er mit vielen Wassern gewaschen und genießt dennoch Respekt im traditionsbewussten Nashville. Curringtons Karriere wird spannend bleiben.