Er kam in Neuseeland zur Welt, wuchs in Australien auf und krempelte danach die Musikszene in Nashville um. Kaum einer hat den gegenwärtigen Country mehr definiert als der Singer-Songwriter und Gitarrist Keith Urban. Mit einem erstaunlichen musikalischen Background verbindet der 48-Jährige in seiner Musik die Smartness von Top-40-Pop mit der Ehrlichkeit von Country und der Virtuosität von Rockgitarristen wie Mark Knopfler und Eric Clapton.

Man wundert sich manchmal fast darüber, dass der Ehemann von Nicole Kidman eine der größten Celebrities der heutigen Popszene ist. Seit Jahren sitzt er im Panel der TV-Castingshow American Idol. Denn Urbans Songs schlagen mit ihrer Sehnsucht, Ungebundenheit und Weite in die Kerbe Jack Johnsons und anderer Individualisten. Man erkennt sie sofort. Sie sind eigen und originell, die Storys ungewöhnlich, die Lebensweisheiten gegen den Strich, und sie erreichen die anspruchsvolleren Country- und Pop-Fans. Den Sound seiner 2014 veröffentlichten Single „Cop Car“ verglich ein Musikjournalist mit U2s „Achtung Baby“ – doch die Melodie des Songs ist einwandfrei Country. Egal wie gut der blonde Sonnyboy aussieht, wie oft die Regenbogenpresse über Kidman und ihn berichtet – es ist zu 90% Urbans Musik, die seine 24-jährige Karriere so geradlinig gemacht hat.

Als Sechsjähriger begann Keith Urban Gitarre zu lernen. Sein Vater hatte einen Gemischtwarenladen in der kleinen Küstenstadt Caboolture. Dafür, dass ein örtlicher Gitarrenlehrer dort ein Werbeposter aufhängen durfte, musste er Keith Stunden geben, der früh großes Talent zeigte und schon als Grundschüler bei Talentwettbewerben gewann. Sein Vater war Country-Fan. Seine Plattensammlung, mit LPs von Glen Campbell, Dolly Parton, Don Williams und Jimmy Webb, färbte auf Keith ab. Als er in den späteren 1970ern die Musik von Dire Straits entdeckte, studierte Urban den Gitarrenstil Mark Knopflers bis ins Detail.

1989 unterschrieb Urban in Australien einen Plattenvertrag bei der EMI, die 1991 sein erstes, nach ihm benanntes Debütalbum veröffentlichte. Auch wenn daraus verschiedene Singles in den australischen Charts landeten, richtete Urban den Blick nach Nashville – dem Heimatort der Musik, die er liebte. Gemeinsam mit einem Musikerkumpel zog er in die Music City und gründete dort die Band The Ranch. Mit ihrem rauen, rock-and-rolligen Sound erinnerten sie mehr an australischen Pub-Rock als an Country, nichtsdestotrotz bekamen sie einen Deal bei Capitol Nashville. Miles Copeland, der Ex-Manager von The Police, nahm sie unter seine Fittiche.

Keith Urban 1997 mit seiner Band The Ranch:

The Ranch schlugen keine wirklich großen Wellen, als sie 1997 ihr einziges Album herausbrachten. Urban machte kurz danach als Sänger eine Zwangspause aus gesundheitlichen Gründen und war in dieser Zeit in Nashville aktiv als Studiogitarrist für Garth Brooks und die Dixie Chicks. Der Top-Produzent Matt Rollings engagierte ihn ebenfalls, und ihre Begegnung stellte eine Weiche in Urbans Karriere, weil Rollings das erste amerikanische Solo-Album Urbans produzierte, mit dem er in den USA zum Shooting-Star wurde. 1999 veröffentlicht, brachte Keith Urban den Song „But for the Grace of God“ auf Platz 1 der US-Countrycharts. Urban spielte umgehend im Vorprogramm der Tourneen von Stars wie Dwight Yoakam, Faith Hill und Tim McGraw. Den Karrieregipfel erreichte Urban 2004 mit seinem fünften, dem Smash-Album Be Here, das sich Abermillionen Male in Nordamerika und Australien verkauft hat. Platinverkäufe erzielten auch die Nachfolger Love, Pain and the Whole Crazy Thing, Defying Gravity und Get Closer.

2012 – inmitten der Aufnahmen zu seinem 2013 erschienenen Album Fuse – nahm die traditionsreiche Country-Radio-Show Grand Ole Opry Urban als Mitglied auf und er wurde Juror bei American Idol. Zu Fuse sagte Urban dem Rolling Stone, er habe wissen wollen, wie weit er auf einem Album gehen könnte, bevor es nicht mehr nach ihm klinge. Die Antwort ist: weit. Denn Urban kann die unterschiedlichsten Sounds und Spielarten wie Country klingen lassen. Gemeinsam mit so unterschiedlichen Produzenten wie Nathan Chapman, Butch Walker (Fall Out Boy) und dem norwegischen Stargate-Team hat er die Palette um Funk und Hip Hop erweitert. I-Tüpfelchen setzen seine Duettpartner Miranda Lambert und Eric Church. „Die Sterne standen richtig und es war Zeit zu experimentieren, ich war bereit zu dieser Reise, wollte bei den Songs nicht in Kategorien denken, sondern diese Songs ehren und sie das sein lassen, was sie sein wollten“, sagte Urban.

2014 wählten ihn die Zuschauer des Country-TV-Senders CMT zum „Künstler des Jahres“. Urban nutzte seine Dankesrede, um seiner Frau eine Liebeserklärung zu machen: „Ich denke nicht, dass diese Dinge zufällig passieren“, zitierten die Gala und andere Medien. „Was ich tue, hat jetzt einen echten Sinn und ich mache das alles für dich und die Mädchen.“ Im Publikum sitzend, zeigte Kidman sich gerührt von seinen Worten.

Im Mai 2016 erscheint sein neues Album Ripcord. “Für mich war es eine fantastische Erfahrung mit so vielen neuen Musikern, Songwritern und Co-Produzenten zusammen zu arbeiten – ich kann es kaum erwarten, dass das Album endlich draußen ist!“ so Urban in einer Pressemitteilung.