Als Reba McEntire 1977 zum ersten Mal in der Grand Ole Opry auftrat, wollte der Türsteher die 22-Jährige nicht in den Saal der altehrwürdigen Radio-Show einlassen, weil er sie auf keiner seiner Listen fand. Sie rannte zu einer Telefonzelle und rief ihren Tourmanager an, der die Sache arrangierte. Ihre Eltern waren aus Oklahoma angereist, über 2000 Kilometer mit dem Bus nach Nashville gefahren, um einen dreiminütigen Auftritt ihrer Tochter zu sehen.

Heute ist sie eine lebende Legende, die erfolgreichste Country-Sängerin der 1980er und 1990er: gut zwei Dutzend Nr. 1-Hits, um die 50 Millionen verkaufte Alben, einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame, nahezu 100 Grammys, Golden Globes und andere Medien-Preise konnte sie verbuchen.

Künstlerisch ist sie eine der bedeutendsten Country-Sängerinnen aller Zeiten, und ihr Einfluss ist immens. Egal ob Lee Ann Womack, Hillary Scott (von Lady Antebellum), Trisha Yearwood oder Shelby Lynne und LeAnn Rimes, sie alle wandeln in ihren Fußstapfen. McEntires Songs sind unglaublich gut gemachte, beeindruckende Kurzgeschichten. Paradigmatisch reihte die Country-Queen sie auf ihrem 1991 veröffentlichtem Album For My Broken Heart aneinander, das sie schrieb, nachdem ihre siebenköpfige Tourband und ihr Road-Manager bei einem Flugzeugabsturz starben. CMT bezeichnete es als das größte Country-Album aller Zeiten.

In „For My Broken Heart“ setzte sich Reba mit dem Verlust ihrer Band auseinander:

Auf ihrem 2010er Album All The Women I Am beschrieb sie die Durchhaltekraft, mit der sie vom Kleinstadtmädchen zum Superstar aufgestiegen ist und zeigte einige ihrer vielen Gesichter: die Mutter, die Geliebte, die Kämpferin, der Broadway-, Film- und TV-Star. Dazu kommen noch die Moderatorin, Buchautorin und die Modedesignerin, ja, es gibt tatsächlich wenig, das die rasante Rothaarige noch nicht mutig und erfolgreich angepackt hat.

Sie steht für den traditionellen Country und erlaubt sich gern mal einen Crossover. Eine Gratwanderung war ihr Duett „The Only Promise That Remains“ mit Justin Timberlake (auf McEntires 2007 veröffentlichtem Platin-Album Duets), den sie über eine Schauspielerin ihrer Sitcom Reba kennenlernte. Ihre Version von Beyoncés „If I Were A Boy“ erreichte die Top-30 der Country-Charts.

Im Herzen bleibt McEntire das furchtlose Cowgirl ihrer Kindertage. Beide Eltern waren Rodeo-Reiter, und auch Reba nahm als Teenager aktiv an Rodeos teil. Auf den langen Autofahrten zu den Wettkämpfen und auch sonst wurde gesungen. Ihre Mutter hatte Ambitionen als Country-Sängerin gehabt, war aber Lehrerin geworden. Der Country-Sänger Red Steagall entdeckte Reba 1974 bei den National Finals in Oklahoma City, wo sie die Nationalhymne sang. Im Jahr darauf unterschrieb sie bei Mercury Records in Nashville. Ihre erste Single erreichte 1976 die Top-100 der Countrycharts. Zum Beginn der 1980er hob ihre Karriere ab.

Mit „Can’t Even Get the Blues“ hatte Reba 1982 ihren ersten #1-Hit:

Den besten Querschnitt durch ihre Karriere als Sängerin bietet Reba McEntires 2005 erschienene 2-CD-Kompilation Reba #1´s, quasi ihre einzige kompakte Karrierenretrospektive, die sich millionenfach in den USA verkaufte, und durchweg die besten Bewertungen in den Medien bekam.

1995 war sie im umjubelten TV-Film Buffalo Girls an der Seite von Anjelica Huston und Melanie Griffith zu sehen. 2001 spielte sie im Wild-West-Musical Annie Get Your Gun am Broadway eine weitere Paraderolle. Im selben Jahr begann sie ihre Sitcom Reba, die sechs Jahre lang im US-amerikanischen TV lief. Danach lancierte sie eine Mode-Linie. Immer noch tritt sie regelmäßig in den USA auf. Im Dezember 2014 begeisterte Reba McEntire im Caesars Palace von Las Vegas, gemeinsam mit den jüngst wiedervereinten Brooks & Dunn. Mit ihrem aktuellen Album Sing It Now – Songs of Faith & Hope präsentierte Reba 2017 ein sehr persönlich gehaltenes Album mit Gospel-Klassikern und aktuellen, neu komponierten spirituellen Songs. Dieses Cowgirl bekommt nie den Blues!

Hört hier Reba #1’s: