Filmreif: Irgendwann zur Mitte der 1960er-Jahre ging der Countrymusiker John Hartford ins Kino, um einen Film zu sehen, über den gerade alle sprachen: Dr Schiwago. Die Russenromanze inspirierte Hartford derart, dass er sich danach zu Hause hinsetzte und in dreißig Minuten den Jahrhundertsong „Gentle On My Mind“ schrieb, der auf seinem zweiten Album Earthwords and Music erschien.

Kurz darauf hörte der damals noch eher unbekannte Countrysänger Glen Campbell den Song im Radio, war wie vom Donner gerührt, rief sogleich seine Musikerkollegen aus der Studioband The Wrecking Crew an und ging mit ihnen in die Capitol Studios in Hollywood. Eigentlich sollte die Aufnahme nur ein Demo werden, das Campbell seinem Produzenten Al De Lory vorspielen wollte. Ohne groß zu proben, drückten sie gleich den Aufnahmeknopf. Campbell rief seinen Kumpels während des Einspielens noch schnell die richtigen Akkorde zu.

Das Demo war so gut, dass De Lory es nur etwas nachbearbeitete und als Single (B-Seite: „Wichita Lineman“) veröffentlichte. Sanft aber sicher kletterte Campbells Version die US-amerikanischen Country- und Popcharts nach oben und wurde einer der größten Radiohits der Musikgeschichte.

Bei der Verleihung der Grammys standen 1968 Hartford und Campbell gemeinsam auf dem Podium, um die vier Trophäen, die „Gentle On My Mind“ gewann, brüderlich zu teilen. Unter den geschätzt 50 veröffentlichten Coverversionen ragt Campbells immer noch meilenweit heraus. Er gab dem Song seine Handschrift.

Dass der 2017 verstorbene Glen Campbell auch ein hervorragender Gitarrist war, kann man in diesem Videoclip bestaunen:

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