Zwanzig Jahre ist es schon her, dass Henry John Deutschendorf, besser bekannt als John Denver, ums Leben kam. Mit ihm verstummte eine der schönsten Stimmen der Country Music.

Sein Tod war an Tragik kaum zu überbieten: Am 12. Oktober 1997 flog John Denver, seit langem ein begeisterter Pilot, mit seinem erst kurz vorher erworbenen Leichtflugzeug über die Bucht von Monterey. Beim Versuch einen – wie es heißt, unergonomisch angebrachten – Tankwahlschalter umzustellen, verriss er das Steuer und fiel vom kalifornischen Himmel. Eben jenen Schalter wollte Denver umbauen lassen, um ihn besser erreichen zu können. Ein Termin mit der Werkstätte war bereits gebucht. Vergeblich. Zu spät. „Leaving On A Jet Plane“, sein erster Song-Meilenstein, erlangte durch diesen Unfall eine traurige Bedeutung. Aber auch eine irgendwie poetische: Ja, er ist gegangen. Für immer – und doch ist er irgendwie gegenwärtig.

Ein vom Himmel gefallener Stern. Wobei sein Stern 1997 längst nicht mehr so hell leuchtete, wie in seiner großen Zeit, in den 70er Jahren. In der Mitte dieser Dekade dominierte der Sänger mit der butterzarten Stimme die Country- und oft auch die Pop-Charts – mit einem ureigenen Crossover aus Country, Folk und Pop. Sein Markenzeichen: Sanfte Songs und gefühlvolle, leicht bekömmlich Kost – Titel, die heute auf keiner Easy Listening-Compilation fehlen dürfen. Damit wurde John Denver, wenngleich auch viel zu spät, noch so etwas wie cool. Zu Lebzeiten ging die Kritik aber häufig nicht sehr galant mit dem blonden Brillenträger um. Natürlich: Ein Künstler, der aussieht wie Muttis Liebling und dazu von zwitschernden Vögel, Regenbogen und schneebedeckten Gipfeln der Rocky Mountains singt, war für Kritiker ein gefundenes Fressen.

Dabei wurde gerne übersehen, dass John Denver ein Musiker mit Idealen, Talent und größtmöglicher Hingabe war. Für seine große Liebe „Musik“ schmiss er 1964 beispielsweise sein recht vielversprechendes Architekturstudium in Lubbock, Texas – nur um anschließend durch die Cafés und Clubs des Landes zu tingeln, um es in einer Band zu versuchen und um schließlich 1969 ein Solo-Debüt zu veröffentlichen: Rhymes And Reasons hieß das Frühwerk. Es lag wie Blei in den Schallplattenregalen, doch es hielt auch – mindestens – einen genialen Song bereit: „Leaving On A Jetplane“. Ein Melodie gewordener Tagtraum. Wer weiß, vielleicht fand niemals vorher und nachher ein Songschreiber schönere Worte und Harmonien für Fernweh, Verlust und Verreisen, als dieser damals 23-jährige John Denver. Als 1969 das Hippie-Trio Peter, Paul and Mary den Song ebenfalls aufnahmen, landeten sie einen spektakulären Nummer-eins-Hit und: sie erschlossen damit Denvers lange üppig sprudelnde Tantiemen-Quelle.

Wer sich 20 Jahren nach John Denvers Tod eine Compilation mit seinen großen Hits anhört, erinnert sich an wohlklingende Bekannte. Songs, die unverzichtbar zur Playlist einer jeden Adult-Radio-Station gehören. Titel wie „Annie’s Song“, „The Eagle And The Hawk“, „I Want To Live“ oder „Shunshine On My Shoulder“. Dass in der Brust des überzeugten Friedensaktivisten aber auch das Herz eines echten Country-Musikers pochte, zeigt sich in verschiedenen Kompositionen. Zum Beispiel in „Christmas And Cowboys“, einem der schönsten Country-Weihnachtstitel überhaupt, oder in „Take Me Home, Country Roads“ und natürlich in „Forever Country“, eine zeitlos schöne Ode an das Genre.

John Denver dürfte überdies der einzige Künstler sein, dem es gelang, gleich zwei amerikanische Bundesstaaten mit Hymnen zu versorgen: „Take Me Home, Country Roads“ ist seit 2014 die offizielle Hymne von West Virginia, und „Rocky Mountain High“ gilt in Colorado, John Denvers Wahlheimat, als offizielle 2. Staatshymne. So mag John Denver zwar mit dem Flugzeug gegangen sein – seine Musik aber ist geblieben.

Hört hier die größten Hits der Country- und Folk-Legende:

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