Heute am 15. Juni wäre der Country-Outlaw schlechthin, Waylon Jennings, 80 Jahre alt geworden. Einer der wohl coolsten Countrymusiker verstarb am 13. Februar 2002 mit 64 Jahren. Gegen Ende seines Lebens konnte er auf einiges zurückblicken: auf zahlreiche Hits, auf den Respekt der Country-Gemeinde, auf die Freundschaft mit u.a. Johnny Cash, Willie Nelson und Elvis Presley. Er konnte die Initiierung der Country-Outlaw-Bewegung für sich in Anspruch nehmen und – sein vielleicht größter Verdienst – nie gegenüber dem Establishment, gegenüber Geld und eitlen Versuchungen eingeknickt zu sein. Heute blicken wir zurück auf seine Karriere.

Die Richtung für seinen straighten Kurs wurde ihm, davon darf man ausgehen, bereits in die Wiege gelegt. In Littlefield, Texas, wuchs er auf – zwölf Menschen teilten sich eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Luxus sieht anders aus. Schon als kleiner Knirps musste er auf den Baumwollfeldern der Region mitarbeiten. Musik war für ihn bald alles: Trost, Chance, ein Versprechen. Mit acht Jahren begann er, angeleitet von seiner Mutter, mit dem Gitarre spielen; bereits mit zwölf arbeitete er beim lokalen Radiosender als DJ. Ein Frühreifer. Das zeigte sich auch, als er mit gerade mal 17 Jahren nach Lubbock zog, um wieder bei einem Radio zu arbeiten. Wenige Jahre später machte er Bekanntschaft mit keinem Geringeren als Buddy Holly. Die Rock ´n´ Roll-Legende war gerade auf der Suche nach neuen Musikern – Waylon war ihm sympathisch, und er konnte Bass spielen. Er hatte den Job. 1958 war es auch, dass Buddy Holly Jennings erste Aufnahmen von „Jole Blon“ und „When Sin Stops (Love Begins)“ produzierte. Es schien als hätte er seinen Mentor gefunden, er lehrte ihm alles über das Musikmachen, über das Führen einer Band, über das Musikbusiness.

So hätte es weitergehen können. Doch, wie man weiß, stürzte Buddy Holly schon ein Jahr später mit seinem Flugzeug tödlich ab. Das Tragische: In der Beechcraft Bonanza hätte eigentlich auch Waylon Jennings sitzen sollen, doch der hat seinen Platz The Big Bopper, einem anderen Rock ´n´ Roll-Star der Zeit, überlassen. So ist Waylon Jennings 1959 dem Tod gerade noch mal so von der Schippe gesprungen. Doch anstatt seinen zweiten Geburtstag zu feiern, verfiel der sensible Musiker in eine Depression. Er fühlte sich schuldig, und es dauerte lange, bis er wieder mit dem Musikmachen beginnen konnte.

In den frühen 60ern begann schließlich seine musikalische Orientierung. Er gründete in Phoenix, Arizona, seine erste Band – The Waylors – und mischte Country mit Folk und Rock’n’Roll und landete schließlich bei A&M Records. Doch erst als ihn Bobby Bare Mitte der 60er Jahre Chet Atkins empfahl, ging es mit der Karriere des Waylon Jennings bergauf. Vor allem, als er nach Nashville zog und sich – man will es kaum glauben – mit Johnny Cash ein Apartment teilte. Die beiden machten schon bald als Partylöwen in Nashville von sich reden. Es folgten Filmauftritte, Plattenaufnahmen, Radio- und Fernseh-Auftritte. Trotzdem war Waylon Jennings nicht mit der Situation zufrieden. Es ärgerte ihn, dass seine Plattenfirma die völlige Kontrolle über seine Musik hatte. Sie bestimmte die Songauswahl und entschied, mit welchen Musikern er ins Studio ging. Daraus entstand schließlich die Philosophie der Outlaw-Bewegung, die ihm, dem Country-Rebellen, schließlich maximale künstlerische Freiheiten bescherte. Dieses Vertrauen zahlte Jennings schon bald durch einige Hit-Alben zurück – darunter Wanted: The Outlaws, bei dem u.a. Jennings Frau Jessi Colter (mit der er DAS Outlaw-Paar abgab) und Willie Nelson mitmischten, und das sich – erstmals für ein Country-Album – mehr als eine Million Mal verkaufte. Gefolgt wurde es von Ol‘ Waylon und dem Hit „Luckenbach, Texas“.

Mit dem Erfolg und Ruhm kamen aber auch die Probleme – Versuchungen in Form von Tabletten und Drogen. Acht Jahre lang war er tablettensüchtig, zwölf Jahre kam er nicht ohne Kokain aus. Ein fataler Mix. Er wusste, dass er damit aufhören musste, was ihm 1984 auch gelang. So war Waylon Jennings schließlich bereit, für einen weiteren Schritt in Richtung Country-Superstar – gemeinsam mit drei seiner besten Freunde. Zusammen mit Johnny Cash, Willie Nelson und Kris Kristofferson gründete er 1985 The Highwaymen, die erste Supergroup im Country. Das All-Star-Quartett definierte den Sound und auch den Erfolg neu im Genre. Dazu avancierte die prominent bestückte Band mit weltweiten Tourneen als Botschafter des Country-Sounds zwischen 1985 und 1995. In dieser Zeit veröffentlichte Jennings auch sein erfolgreiches Album Will the Wolf Survive, musste jedoch bedingt durch seine Diabetes-Erkrankung das Tourleben ab 1997 weitestgehend an den Nagel hängen.

Mehr noch: Die Krankheit schritt in den nächsten Jahren galoppierend voran, 2001 musste ihm ein Fuß abgenommen werden und ein Jahr später, am 13. Februar 2002 starb er mit 64 Jahren in seinem Haus in Chandler, Arizona, an den Folgen des Diabetes. Seine Hinterlassenschaft sind sein Sohn Shooter, viele großartige Alben, Song-Klassiker wie „Amanda“, „Come With Me“ und „Are You Sure Hank Done It This Way“ und vor allem ein Lebensgefühl, das bis heute zahlreiche junge Talente inspiriert.

Hört hier The Essential Waylon Jennings: