Hello, I’m Johnny Cash„. Schon beim Hören dieser einfachen Worte bekommt man Gänsehaut. Cash, der sich zu Beginn seiner Konzerte dem Publikum so vorstellte, ist die größte Americana-Ikone des 20. und 21. Jahrhunderts, der König der Country Music, des Rock and Rolls, Gospels, Blues und Hardcore-Folks. „Seine Stimme“, schwärmte Bob Dylan, „schien aus dem Mittelpunkt der Erde zu kommen“.

Heute vor 14 Jahren ist Johnny Cash gestorben. Viel wurde bisher geschrieben über den Man in Black, den Outlaw, und vieles wird noch geschrieben werden. Aber bei einer Persönlichkeit wie die von John R. Cash kann es kein Zuviel geben. Er war niemand, der sich für andere verbog; was er dachte, sagte er und wirkte dabei immer irgendwie sympathisch. Legendär sind seine Gefängniskonzerte, unvergessen bleibt das Mittelfinger-Foto, und mit „Hurt“ entstand eines der herzzerreißendsten Videos der Musikgeschichte. Mit whiskeygegerbtem Bariton sang er seine tief schürfenden Songs über Schuld und Sühne und das harte Leben der einfachen Leute. Sein Verzicht auf Pathos, seine große emotionale Schlichtheit nehmen den Hörer mit auf die Reise. Cash kopieren kann immer noch keiner!

Cash stammte aus einer armen Farmerfamilie und half schon früh auf den Baumwollfeldern. Seine erste Gitarre schenkte ihm seine Mutter. Nach der High-School und einigen Jobs in Fabriken ging er 1950 zur Armee, wo der als J. R. geborene, seinen Namen in John R. änderte. Nach seiner kurzen Laufbahn beim Militär – mit Zwischenstation in Deutschland – kehrte Cash 1954 nach Amerika zurück und erhielt im Jahr danach seinen ersten Plattenvertrag bei Sun Records. Vier Jahre später wechselt Cash zu Columbia Records.

In den folgenden Jahren war der Sänger aus Kingsland, Arkansas, viel Unterwegs. Als Reaktion auf die hohe Tourbelastung, fing Cash an zu trinken und wurde medikamentenabhängig. In den frühen 60ern tourte Cash mit der Carter Family, während derer er auch seine spätere Frau June Carter kennen lernte. Der junge Cash himmelte June Carter bereits als Kind an, als er sie im Radio hörte. Doch obwohl die beiden wie füreinander geschaffen schienen, hatte das Schicksal zunächst etwas anderes für sie vorgesehen.

Beide Musiker waren längst verheiratet, als sie sich das erste Mal Backstage in der Grand Ole Opry trafen, und so wurden sie zunächst bloß Freunde. June, deren Ehe mit dem Countrysänger Carl Smith bereits scheiterte, heiratete 1957 einen Polizisten, Rip Nix. Johnny dagegen war damals an Vivian Liberto vergeben, mit der er auch seine vier Töchter RosanneKathleen, Cindy und Tara hatte.

Doch als June und Johnny 1961 das erste Mal gemeinsam auf Tour gingen, sollte sich das alles ändern. Sie fingen eine Affäre an und verliebten sich ineinander. Statt eitel Sonnenschein war die Beziehung jedoch von Cashs Alkohol- und Medikamentensucht geprägt. In dieser Zeit schrieb June auch Cashs größten Hit „Ring Of Fire“, der von ihren Gefühlen ihm gegenüber handelt und den sie eines Morgens um vier Uhr in der Früh schrieb: „Mir ging es elend und ich dachte: Ich darf mich nicht in diesen Mann verlieben, aber es ist einfach wie ein Ring aus Feuer“, so Carter darüber, dass sie trotz Cashs Probleme nicht von ihm los kam. Nachdem Cashs Sucht seinen Tiefpunkt erreichte, er abmagerte, Konzerte abbließ und seine Ehe zu Liberto in die Brüche ging, fand er halt bei June, deren zweite Ehe ebenfalls geschieden wurde.

Mit ihrer Hilfe schaffte es Cash am 11. November 1967 erstmals in zehn Jahren wieder ein Konzert vollkommen nüchtern zu spielen. Nur wenige Wochen darauf, im Februar 1968, machte Cash June auf der Bühne während eines seiner Konzerte einen Heiratsantrag. Jedoch nicht zum ersten Mal. Ganze 30 Mal zuvor bat Cash sie schon, seine Frau zu werden, doch Carter lehnte aufgrund seiner Sucht jedes Mal ab. Doch beim 31. Versuch im Februar 1968 war es dann so weit, Carter willigte endlich ein und Cashs Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Keine zwei Wochen vergingen und die beiden standen am 1. März 1968 vorm Traualtar. Zwei Jahre später brachte June ihren gemeinsamen Sohn John Carter Cash zur Welt.

In den Jahren darauf folgten u.a. eine eigene Fernsehsendung, eine Biografie und ein Auftritt im Weißen Haus.

Danach wurde es ruhiger um Cash. Obwohl die Tourneen in den 80ern gut liefen, sanken die Verkaufszahlen seiner Platten und das führte dazu, dass Columbia Records den Vertrag mit dem alternden Sänger auflöste. Doch entgegen vieler Annahmen, war Cashs Karriere noch nicht zu Ende. Zuerst begeisterte er 1985 mit seinen Freunden Waylon Jennings, Willie Nelson und Kris Kristofferson als The Highwaymen. Danach entstanden, in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Rick Rubin, die American Recordings (1994), American II: Unchained (1996), American III: Solitary Man (2000), American IV: The Man Comes Around (2002) folgten. Den Großteil der Songs auf den American-Alben machten Coverversionen aus, die Cash in seinem ganz eigenen Stil interpretierte.

Mit seinem Spätwerk zementierte Cash seinen Legendenstatus, der nun auch weit über die Countrylandschaft hinausstrahlte. Cash war kein Cowboy in Stiefeln und mit Cowboyhut, Cash war The Man In Black und cool.

Nachdem 2003 seine langjährige Lebensgefährtin, Frau und Verbündete June bei einer Operation starb, verschlechtert sich Cashs Gesundheit schlagartig. Der begnadete Musiker verstarb nur 4 Monate später am 12. September 2003 im Baptist Hospital in Nashville an Lungenversagen.

Johnny Cash war ein eigensinniger Mann, aber er war auch ein Mann der Gerechtigkeit. Er erhob die Stimme für die Ausgegrenzten und revoltierte gegen das Establishment, doch er tat dies stets mit Stil. Es wirkte nie aufgesetzt, inszeniert, geplant; das war es wohl, was ihn für viele so sympathisch machte.

Heute vor 14 Jahren ist Johnny Cash gestorben. Wir verneigen uns und heben die Gläser auf den größten Country-Star aller Zeiten. Auf dich, Mr. Cash!

Hört hier die letzte, zu Johnny Cash’s Lebzeiten, veröffentlichte Platte American IV: The Man Comes Around:

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