Bob Harris kennt sie alle. Seit 1998 gehen internationale Country-Stars in seine zweimal wöchentliche Radiosendungen Bob Harris Country auf dem britischen Radiosender BBC Radio 2 ein und aus. Bei großen Events in Nashville, wie das CMA Fest und die CMA-Awards, ist Harris immer mit seinem kleinen Expertenteam vor Ort, um den britischen Hörern das authentische Country-Feeling direkt aus Music City zu vermitteln. In einem Studio auf Music Row wird täglich live gesendet. Als die Autorin dieses Artikels Bob Harris und seinen Produzenten Mark Hagen vor rund drei Jahren während der CMA-Awards im Nashviller Studio besuchte, fuhr Dierks Bentley gerade ab, als das nächste Interview und eine Akustik-Session mit Brad Paisley losging. Bei Bob Harris geben sich die Country-Stars von heute wortwörtlich die Klinke in die Hand.

Die Arbeit von Bob Harris und sein Team ist international. Bei Großevents in Nashville sendet das BBC-Team direkt aus Music Row (c) Country & Co.

Auch bei dem Country2Country-Festival in London ist Bob Harris natürlich dabei. Gleich seit dem ersten Festival 2013 sendet BBC als wichtigster Medienpartner täglich live vom großen Event, sowohl im Radio als auch im Internet. Der 70-Jährige Moderator mit der etwas heiseren Stimme, die er seinem Kosenamen Whispering Bob zu verdanken hat, holt sich für das Mega-Event von den Moderatoren Jo WhileyBaylen Leonard und Paul Sexton Unterstützung.

Wir sprachen mit dem Rundfunksprecher und Musikjournalisten Paul Sexton über die massive Entwicklung von Country Music in Großbritannien in den vergangenen Jahren. Sexton ist der Meinung, dass die gemeinsame Unterstützung von BBC und dem großen Konzertveranstalter AEG, der das C2C-Festival bucht, der Schlüssel des Erfolgs ist. „Es ist nicht so, als hätte Country Music zuvor kein Publikum in England gehabt“, merkt er an. „Wir mochten schon immer ein bisschen Tammy, Kenny, Shania oder Taylor in ihren frühen Jahren. Dass Dolly Parton mittlerweile hier genauso berühmt ist wie die Queen, brauche ich wohl nicht erwähnen.“

Baylen Leonard (2. von links) und Paul Sexton (rechts) mit Marty Stuart and his Fabulous Superlatives im BBC Radio 2 Studio auf dem C2C-Festival (c) BBC Radio 2 Country (Facebook)

„Wenn du mir damals, oder sagen wir mal im Jahr 2010, gesagt hättest, dass Country Music ein eigenes europäisches Festival bekommen würde, ein Event so groß, dass 50.000 Leute aller Generationen zum C2C in die O2 Arena in London kommen, hätte ich wohl gesagt, dass du ein klein wenig mehr Cola Light mit deinem Jack Daniels trinken solltest“, so Sexton. „Aber in relativ kurzer Zeit hat sich Country Music von einem archetypischen guilty pleasure hin zu einem der coolsten Genres da draußen entwickelt.“

Deutsche Festivalbesucher können dies bestätigen: in London ist das Publikum über alle Altersgruppen gemischt, aber doch sehr jung – ein Bild das man bei Country-Konzerten in Deutschland nur selten zu sehen bekommt. Country Music hat es geschafft sich bei unseren Nachbarn in den letzten Jahren ein modernes Image zu erarbeiten.

„Was uns damals fehlte, war ein Event, das den Fokus auf das Genre richtete und den Leuten, insbesondere dem jüngeren Publikum, zeigen konnte, dass es wirklich in Ordnung ist, Country zu mögen und die Begeisterung dafür auch mit Freunden zu teilen. Um genau zu sein, sprechen die Besucherzahlen des C2C heute für sich.“ Die Message ist längst auch in Nashville angekommen, wo große Country-Stars das Festival mittlerweile nicht nur als Option im Terminkalender zu stehen haben.

Live with Brad

Posted by BBC Radio 2 Country on Freitag, 10. März 2017

 

„Wie man merkt, bin ich voreingenommen“, erzählt Sexton weiter, „aber ich denke, dass Radio 2s kontinuierliche Unterstützung für Country Music, sowohl beim C2C, als auch bei den CMA-Awards und anderen Events, auch ein maßgeblicher Faktor gewesen ist. Das Netzwerk hat eine große Rolle bei dem Anstieg der Verkaufszahlen der britischen Country-Künstler The Shires und Ward Thomas gespielt. Es gibt regelmäßige Live-Country-Abende in ganz Großbritannien und Irland, ein neues Country Magazin im zweimonatigen Rhythmus und einer Reihe vielversprechender beheimateter Country Künstler. Aufregend daran ist, dass sie nicht versuchen, amerikanisch zu sein. Britische Country Music hat endlich eine eigene Stimme bekommen.“

Das Lob scheint fast zu groß, es ist aber angemessen: Bob Harris und sein kompetentes Team haben mit ihrer Arbeit für das Genre maßgeblich dazu beigetragen, dass Country Music in UK stetig wächst, und heute populärer denn je ist.

Reba McEntire und BBC-Producer Mark Hagen (c) Trivia Yourevich

Hört hier die Live-Programme vom digitalem Pop-Up Sender Radio 2 Country inkl. den vollen Headliner-Shows des C2C-Festivals. Auch über die BBC iPlayer Radio App (iTunes & Co.) können die Programme in Deutschland angehört werden, allerdings immer nur für eine begrenzte Zeit. Die C2C-Sendungen sind noch für ca. 3 Wochen verfügbar.

C2C London Tag 1 (Jennifer Nettles, Chris Young, Brad Paisley + diverse Live-Auftritte und Interviews mit Studiogästen)

C2C London Tag 2 (Dan + Shay, Hunter Hayes, Darius Rucker, Reba McEntire + Studiogäste)

C2C London Tag 3 (Brothers Osborne, Maren Morris, Marty Stuart, Zac Brown Band + Studiogäste)

Titelfoto (c) BBC Radio 2 Country (Facebook)