Auch 2017 wurden eine Vielzahl großartiger Alben veröffentlicht. Altbekannte Superstars wie Willie NelsonTim McGraw Faith Hill und Shania Twain kehrten mit neuem Material zurück, Newcomer wie Midland und Lauren Alaina überraschten mit starken Songs und einer erfrischenden, frechen Attitude. Und dann war da auch noch Little Big Town, die Anfang des Jahrs ein großartiges Pop-Album abliefert haben, und natürlich Chris Stapleton, der gleich zwei Alben veröffentlichte.

Bestenlisten sind natürlich immer eine Qual und eine schwierige Aufgabe. Die Country & Co. Redaktion hat die 15 Alben zusammengestellt, die bei uns 2017 in Dauerschleife liefen und uns am meisten überzeugt haben.

PLATZ 15 – Lauren Alaina: Road Less Traveled
Auf ihrem zweiten Studioalbum rechnet Country-Pop-Sängerin Lauren Alaina u.a. mit dem Schönheitswahn junger Frauen und dem Alkoholismus ihres Vaters ab. Damit machte die 23-jährige Power-Lady aus Rossville, Georgia, einen großen Sprung, zudem hat sie an jedem Song auf Road Less Traveled mitgeschrieben. Bekannt wurde Alaina als sie bei der 10. Staffel von American Idol den zweiten Platz belegte.

PLATZ 14 – Shania Twain: Now
Eine Musiklegende meldet sich nach 15-jähriger Pause zurück, aber kann sie an die frühen Erfolgen anknüpfen? Nicht ganz, allerdings veröffentlichte Shania Twain mit Now ein vielseitiges Album voller Energie und starken Songs, die zudem ausnahmslos von der Queen of Country-Pop geschrieben wurden.

PLATZ 13 – Marty Stuart and His Fabulous Superlatives: Way Out West
Wer im März in London beim C2C-Festival dabei war, wird sich noch an die fulminante Performance von Marty Stuart and His Fabulous Superlatives erinnern. Way Out West ist eine atmosphärische Produktion mit einer Rock’n’Roll Energie, die an Klassiker wie Marty RobbinGunfighter Ballads and Trail Songs oder Johnny CashThe Fabulous Johnny Cash erinnert – letzteres ist wohlgemerkt auch eines der ersten Alben, die Stuart jemals besaß. Im Gegensatz zu anderen Künstlern verfolgt Stuart eine andere Mission und lechzt nicht den neuesten Trends hinterher, nein, er bringt seinen Hörern wieder die good ole days näher.

PLATZ 12 – Brad Paisley: Love and War
Auch wenn Brad Paisley auf Love and War mal poppigere Töne anschlägt, ist und bleibt er ein West Virginia Farmboy. Am gelungensten finden wir die Paisley-Cash-Kollaboration „Gold All Over the Ground“, wo Paisley ein altes Gedicht von Johnny Cash aufgreift sowie die Single „Heaven South“. Paisley veröffentlichte Love and War auch als visuelles Album. Das Ergebnis ist ein sehr schöner und vielseitiger „Film“, den ihr hier in voller Länge sehen könnt.

PLATZ 11 – Luke Combs: This One’s For You
In Nashville verdienen rund 70.000 Menschen ihren Lebensunterhalt mit Musik. Wie setzt man sich bei der Dichte als Newcomer durch? Man ackert wie alle anderen auch, hat aber vielleicht ein bisschen mehr Glück und einen Hauch mehr Talent. Als Luke Combs im Juni sein Debütalbum This One’s For You veröffentlichte, stieg er gleich in der ersten Woche auf Platz 1 der Countrycharts ein, was für einen Newcomer keineswegs selbstverständlich ist. Wenn man sich die Platte jedoch anhört, dann wundert es nicht. Seine Songs sind stark, kommen ohne Firlefanz aus. Luke wirkt wie der sympathische Typ von nebenan.

PLATZ 10 – The Cadillac Three: Legacy
Mit Legacy hat das Southern Rock-Trio um den erfolgreichen Country-Songwriter Jaren Johnston, The Cadillac Three ein sehr gutes Album veröffentlicht und wie immer eine Mischung aus rotzfrechen Southern Rock und Country-Rock geschaffen. Ein Sound, der Country-Einflüsse reflektiert – der aber auch notorische Country-Hasser begeistert. Im Gegensatz zu den meisten Nashville-Acts wagen The Cadillac Three auch Konzertreisen nach Europa. 2016 und 2017 spielten sie einige Shows in Deutschland. Mit Legacy umreißen sie das Grenzfeld zwischen Country, Southern Rock und Blues wieder einmal neu.

PLATZ 9 – Lukas Nelson & Promise of the Real: Lukas Nelson & Promise of the Real
Zunächst mussten sich Lukas Nelson & Promise Of The Real – wie alle gestandenen Acts – ihre Meriten on the road verdienen. Rund 200 Shows pro Jahr standen im Tourkalender, der ständig besser werdenden Formation. Auch in Sachen Songwriting steigerte sich die Band, rund um den prominenten Künstler-Spross Lukas Nelson, von Album zu Album. Lukas Nelson & Promise of the Real zeigt eine Band, die ihren Weg gefunden hat. Mit einem Sound, der sich erfolgreich gegen Stilbarrieren stemmt, der genreübergreifend begeistert. Natürlich klingen hie und da ihre musikalischen Taufpaten durch. Country-Recken wie Roger Miller oder Glen Campbell (bei „Just Outside Of Austin“) und der unvergessliche Ray Charles („Forget About Georgia“); Elvis und Roy Orbison, die Könige des Herzschmerzes, in grandiosen Big-Screen-Balladen („If I Started Over“) und natürlich auch Neil Young und Willie Nelson.

PLATZ 8 – Luke Bryan: What Makes You Country
Alleine der Titel von Luke Bryans sechstes Studioalbum, What Makes You Country hat es in sich, denn er greift eine Diskussion auf, die in den sozialen Medien oft zu üblen Beschimpfungen führt: „People talkin‘ ’bout what is and what ain’t country“. Auch Luke Bryan wurde oft dafür angegriffen, dass seine Musik nicht Country genug klingen würde. Heute zählt der 41-jährige Sänger, Gitarrist und Songschreiber zu den größten Stars der Country-Szene – wie vier „Entertainer Of The Year“-Awards, ein Superbowl-Auftritt, zehn Millionen verkaufte Alben, drei Milliarden Streams und 18 Nummer-eins-Radio-Singles eindrucksvoll belegen. Doch satt vom Erfolg ist dieser Mann keineswegs. Das beweist Luke Bryan jetzt mit seinem neuen Album What Makes You Country. Auf der von Jeff Stevens und Jody Stevens produzierten CD präsentiert Bryan 15 Songs aus dem Grenzfeld zwischen Country, Rock und Pop.

PLATZ 7 – Colter Wall: Colter Wall
Der nur 21-jährige Colter Wall sieht nicht nur so aus, als hätte er auch Anfang der Siebziger gemeinsam mit Kris Kristofferson aus einer Bar stolpern können, sondern klingt auch eben so. Mit dem, von Erfolgsproduzent Dave Cobb (u.a. Jason Isbell, Chris Stapleton, Sturgill Simpson) im geschichtsträchtigen RCA Studio A in Nashville eingespieltem Debütalbum, welches schlichtweg den Namen seines Schöpfers trägt, folgt der kanadische Singer/Songwriter der Tradition der taffen Troubadoure meisterlich und wirkt dabei wie ein alter Outlaw-Hase. Viel mehr als seine Akustikklampfe und den rauchigen Klang seines Bourbon-Baritons braucht es nicht, um von Colter Walls aufwühlenden Geschichten augenblicklich in den Bann gezogen zu werden.

PLATZ 6 – Little Big Town: The Breaker
‚Pop-Musik für Erwachsene‘ – das klingt etwas komisch, aber ist genau das was Little Big Town so erfolgreich macht! The Breaker ist bereits das achte Studioalbum, der aus Homewood, Alabama, stammenden Formation. Das von Jay Joyce produzierte, zwölf Titel umfassende Werk schließt nahtlos an das letzte Countryalbum Pain Killer (2014) an und bietet alles, was modernen Country auszeichnet. Plus: die einzigartigen Vokal-Arrangements des stimmlich konkurrenzlosen Quartetts. The Breaker ist eine durchaus gelungene Scheibe und zeigt, dass man auch als Endvierziger im Country-Pop-Geschäft mitmischen kann.

PLATZ 5 – Willie Nelson: God’s Problem Child
Drei Jahre nach seinem letzten eigenen Studioalbum Band Of Brothers, gab es im April endlich Nachschub an neuen Willie-Songs. Thematisch befindet sich die Platte irgendwo zwischen Altern und Vergänglichkeit, jedoch immer mit einem – typisch Willie – Augenzwinkern. Denn seinen Humor hat der Outlaw sich auch mit über 80 erhalten. Ganz herrlich finden wir den Song „Still Not Dead“, wo der Musiker ein für alle Mal mit kursierenden Fake-News aufräumt, dass er angeblich schon das Zeitliche gesegnet habe. „I woke up still not dead again today“, summt Nelson. Und überhaupt, er habe keine Zeit für ’sowas‘, er sei viel zu beschäftigt und habe eine Show zu spielen, so der Sänger ironisch. So etwas schafft nur der Willie!

PLATZ 4 – Lee Ann Womack: The Lonely, the Lonesome & the Gone
Auf The Lonely, The Lonesome & The Gone bleibt sich Lee Ann Womack auf den 14 Songs treu und schafft es, einen unfassbar frischen Sound zu erschaffen, der doch recht traditionell klingt. Mit ihrem Storytelling und der ausgeklügelten Produktion, für die sich Waylon Payne und Adam Wright verantwortlich zeigen, wurde ein Album geschrieben, das cineastische Tiefe besitzt und zugleich ziemlich sexy klingt.

PLATZ 3 – Kip Moore: Slowheart
Auf Slowheart klingt Kip Moore musikalisch gereift und abwechslungsreicher denn je. Das Album zeigt  Moore als großartigen Storyteller, als scharfzüngigen Beobachter und Chronisten der Zeit – und es zeigt ihn als nachdenklichen, selbstreflektierenden Poeten, der keine Scheu hat, sein mitunter aufgewühltes Seelenleben offen auszubreiten. „Es ist mein bisher persönlichstes Album“, hat er dem amerikanischen Rolling Stone erzählt. Ein Bonus bekommt der 37-jährige Sänger aus Tifton, Georgia, zudem, denn er hat sich dieses Jahr in den sozialen Medien mehrmals erneut gegen Hass und Mobbing zur Wort gemeldet. Das machen viel zu wenige Stars.

PLATZ 2 – Midland: On The Rocks
Das texanische Trio Midland hat vor wenigen Monaten die Country-Bühne mit ihrem grandiosen Debütalbum On The Rocks betreten. Je vielfältiger und moderner der heutige Country-Sound daherkommt, desto größer wird auch die Sehnsucht nach dem ureigenen Sound des Genres: nach gefühlvollen Melodien, nostalgischen Arrangements, lässigen Texten, augenzwinkerndem Humor und einer guten Prise Fernweh. Nach einem Sound, wie ihn Midland anfertigt. Wie groß das Bedürfnis nach traditioneller klingendem Country ist, zeigt sich an der Reaktion auf Midland in der Country-Gemeinde: Platz eins in den Airplay-Charts, Stories und Beiträge auf allen Kanälen, Opening-Act bei der Tim McGraw/Faith Hill-Tour. Keine Frage, dass das aus dem früheren Schauspieler Mark Wystrach (Gesang), dem Video-Regisseur Cameron Duddy (Bass) und dem Gitarristen Jess Carson bestehende Dreigespann Nashvilles Band der Stunde ist.

PLATZ 1 – Chris Stapleton: From A Room Vol.1 & Vol.2
Chris Stapleton ist und bleibt ein Phänomen. Der bodenständige, fast schüchtern wirkende Country Superstar hat in den letzten Jahren Amerika im Sturm erobert, ist dabei aber auf dem Boden geblieben. Als From A Room Vol.1 angekündigt wurde, fragten wir uns, ob es überhaupt möglich ist, an das zeitlose Meisterwerk Traveller (2015) anzuknüpfen. Zusammengelegt kommt man bei Vol.1 und Vol.2 auf nur rund 65 Minuten Spielzeit. Aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Auf beiden Alben ist keine Sekunde zu viel oder zu wenig, und jede einzelne Songzeile, jedes Gitarrenriff besitzt eine Qualität, die nur selten auf einem kompletten Album durchgehalten wurde. Stimmlich bringt der etwas moppelige Stapleton mit breitbeiniger Outlaw-Gestik seinen brennenden Southern Soul-Gesang gefühlvoll ein: Mal inbrünstig, mal leise, und immer so perfekt abgestimmt, dass einem fast der Atem stockt. Mit den zwei Alben hat Stapleton das fast unmögliche geschafft: das Niveau zu halten, vielleicht sogar zu steigern. Das schafft nicht jeder – außer natürlich man besitzt die Authentizität und das Talent von Chris Stapleton.