Er schrieb Songs für die Ewigkeit, er definierte die Country-Musik neu und er ist einer der wenigen Künstler, die sowohl als Musiker, als auch als Schauspieler höchsten Respekt verdienen, die Rede ist natürlich von Kris Kristofferson. Aktuell ist der Allrounder obendrein noch auf Tour inklusive Stops (vielleicht ein letztes Mal) in Deutschland. Heute wird der Musiker 81 Jahre alt.

81 Jahre. Das klingt schon ganz schön alt. Nach Gehstock, Ohrensessel, Tiersendungen im Fernsehen, nach geruhsamem, passivem Leben. Wie gut, dass Kris Kristofferson von diesen Klischees offenbar noch nichts gehört hat. Denn für einen Oldtimer seines Jahrgangs entfacht der Musiker und Schauspieler geradezu ein Feuerwerk an vielfältigen Aktivitäten – neben der gerade gestarteten Tournee und dem aktuellen Album The Cedar Creek Sessions kam mit The Motel Life auch noch ein neuer Film. Ein Programm, das eher nach 40 als nach über 80 brennenden Kerzen auf dem Geburtstagskuchen klingt.

Dabei ist es nicht so, dass der Zahn der Zeit dem Autoren von zeitlosen Klassikern wie „Me And Bobby McGee“, „Help Me Through The Night“ und „Loving Her Was Easier“ nichts anhaben konnte. Im Gegenteil. Im Herzen sind Bypässe installiert, Haare und Bart sind seit Jahren so weiß wie der Schnee in den Rocky Mountains und sein – immer noch markant-attraktives – Gesicht ist furchen-durchzogen wie eine Skipiste in Aspen. Mit Botox hatte er offenbar nie etwas am Hut. Das mag für weniger ausgeprägte Eitelkeit sprechen – oder dafür, dass ihm Oberflächlichkeiten einfach nicht wichtig genug sind. Letzteres würde passen. Denn auch mit Smalltalk hat es der in Brownsville, Texas, geborene Sänger, Songschreiber, Hollywood-Star und – vor allem – die lebende Legende nicht so. Bei Themen mit Tiefgang ist Kris Kristofferson aber kaum zu halten.

Der junge Kris Kristofferson performt „Lovin‘ Her Was Easier (Than Anything I’ll Ever Do Again)“ in 1971:

Ein wichtiges Thema, vielleicht das zentrale Thema seines Lebens, ist natürlich die Musik. Schon Ende der 50er Jahren hat er es versucht. So nebenbei, in London. Zu der Zeit studierte er als Hochbegabten-Stipendiat in Oxford englische Literatur. Er spielte Rugby, boxte gegen die Studenten von Cambridge. Doch er hatte auch schon einen stattlichen Stapel Songs geschrieben, den er einem befreundeten Club-Besitzer in London zukommen ließ. „Der Typ hielt mich zwar nicht gerade für einen begnadeten Sänger“, sagte er in einem Interview, „aber er brachte mich immerhin mit einigen Leuten aus dem Musikgeschäft zusammen. So entstanden zumindest erste Sessions.“ Der Clubbesitzer – ein australisches Raubein – empfahl ihm dringend, sich einen Künstlernamen zuzulegen. „Er meinte Kristofferson wäre zu lang, zu viele Silben. Sinatra hätte ja auch nur drei.“ Jedenfalls war damit der erste Ausflug ins Musikgeschäft für Kris Kristofferson erstmal beendet.

1960 kehrte er nach Amerika zurück. Er heiratete seine High-School-Liebe, ging zur Army und wurde schließlich in Deutschland als Hubschrauberpilot stationiert – genau wie Elvis und Johnny Cash. Hier, in good old Germany, kam der schlaksige Texaner in die gleichen Clubs wie Elvis und Johnny. Obwohl es musikalisch eher Rock ´n´ Roll war, gehörte Kristoffersons Herz auch schon damals dem Country – Sängern wie Hank Williams, Lefty Frizzell oder Johnny Cash. Die Liebe zur Musik war auch dann stärker, als ihm die Army einen prestigeträchtigen Posten an der Militärakademie in West Point anbot. Er lehne ab und ging nach Nashville, um mit 29 Jahren wieder bei Null anzufangen: Er jobbte als Barkeeper und Hausmeister, er leerte – als Bob Dylan in Nashville Blonde On Blonde aufnahm – die Studioaschenbecher. Und spielte abends mit den Songschreibern der Stadt. Immerhin: 1967 veröffentlichte er seine erste Single. Sie floppte und so nahm er einen Job als Hubschrauberpilot für eine Ölfirma an. Eine Weile pendelte er zwischen den Bohrinseln im Golf von Mexiko und Nashville. Hin und her, vor und zurück. Genau so, wie das rastlose Leben des talentierten Texaners. Irgendwo auf einer dieser Etappen schrieb er dann den Song, der ihm zum Durchbruch verhalf – und der Janis Joplin unsterblich machte: „Me And Bobby McGee“.

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Mit dem Song „Me And Bobby McGee“ hatte Kristofferson seinen kommerziellen Durchbruch.

Diese Ode an die Freiheit, an die Außenseiter, an die Liebe und Einsamkeit steht exemplarisch für sein Werk. Aber auch für eine bis dahin ungehörte Country-Poesie. Sie ist ihm seitdem nie mehr abhanden gekommen: Von seinem ersten, 1970 erschienen, gleichnamigen Debüt über das fantastische Album Full Moon mit seiner damaligen Ehefrau Rita Coolidge bis hin zu seinem 2006 erschienenen Comeback-Album, dem kantigen Spätwerk This Old Road. Dass Kristofferson in seiner langen Karriere immer wieder soziale Ungerechtigkeit anprangerte und den Unterdrückten und Benachteiligten eine Stimme verlieh, überzeugte kürzlich auch die Verantwortlichen des Woody Guthrie Preises. Nach Folk-Ikone Pete Seeger und Soul- und Blues-Sängerin Mavis Staples ist Kris Kristofferson der dritte Preisträger dieses jungen, dennoch aber enorm renommierten Awards. In der Begründung hieß es unter anderem: Seine Songs hätten dazu beigetragen, die Welt um einen Tick besser zu machen. Gibt es ein schöneres Kompliment für einen Musiker? Im Oktober letztes Jahr nahm der graue Country-Erneuerer den Preis in Tulsa entgegen und lieferte dabei noch eine kleine Show mit seinen besten Songs ab. Zur Seite stand ihm dabei Rodney Crowell, der einer seiner größten Fans sei: „Mit seiner Poesie war er schon in den 60er Jahren konkurrenzlos“, sagte Crowell kürzlich in einem Interview, „und er sprach unbequeme Wahrheiten an. Genau wie Hank Williams und Johnny Cash vor ihm, hat auch er buchstäblich die Countrymusik neu definiert.“

Und er ist immer noch dabei, die Noten, Worte und Harmonien des Genres neu zu vermessen. Aktueller Beleg: Sein letztes Jahr erschienenes Album The Cedar Creek Sessions, bei dem er – gemeinsam mit einer vierköpfigen Band und Gastsängerin Sheryl Crow – 25 seiner Song-Lieblinge neu interpretiert. Alles klar: Der Veteran ist längst noch nicht müde. Alles Gute zum Geburtstag, Mister Kristofferson!

Wer das Country-Talent live erleben will, sollte sich jetzt ein Ticket hier sichern. 

Deutschland-Termine 2017:

  • 30.06.17: Ludwigsburg (Forum am Schlosspark)
  • 03.07.17: Frankfurt (Jahrhunderthalle)
  • 04.07.17: Ulm (ulmer.zelt)

Weitere Termine gibt es in Österreich und in der Schweiz:

  • 28.06.17: Zürich (Kongresshaus Zürich)
  • 09.07.17 – Latschach (Burgarena Finkenstein)

Hier könnt ihr seinen größten Hits (nochmal) hören: