Man muss schon etwas tiefer in das Country- und Folk-Genre eintauchen, um auf John Prine zu stoßen. Er ist eher ein Mann der zweiten Reihe – aber mit einem Song-Katalog erster Güte. Nicht umsonst wird der in den frühen 70er Jahren von Kris Kristofferson entdeckte John Prine von der Nashville-Gemeinde verehrt, wie kaum ein zweiter. Man kann sich vorstellen, wer ihm heute am 10. Oktober alles zu seinem 70. Geburtstag gratulieren wird …

Vermutlich: so ziemlich die gesamte Nashville-Prominenz. Sie werden dem aus Maywood, Illinois stammenden Singer/Songwriter huldigen, ihm ein langes Leben wünschen; sie werden ihm sagen, dass sie sich noch auf weitere großartige Prine-Songs freuen – und viele von ihnen werden es sicher nicht versäumen, ihm zu sagen, dass er eine ihrer größten Inspirationsquellen war. Und immer noch ist. Zum Beispiel Kacey Musgraves. Es gibt kaum ein Interview, in dem die texanische Country- und Folk-Queen nicht über die poetische Formulierungskunst John Prines ins Schwärmen gerät. „Er ist einfach toll“, sagte sie dem Magazin Rookie, „ seine Art, Geschichten zu erzählen hat mich von Anfang an geprägt und inspiriert.“

Sie meint damit Songzeilen wie „Bowl of oatmeal tried to stare me down… and won / And it was twelve o’clock before I realized / That I was havin’… no fun“, aus dem 1971 erschienenen Frühwerk „Illegal Smile“. Oder die lyrische Tiefe der 2007 erschienenen Ballade „The Blue Side Of Lonesome“, in der Prine eindringliche Bilder entwarf wie: „The floor has a carpet of sorrow / But no one can weep in the aisle / And they say someone broke the bar mirror / With only the ghost of a smile.“

Nur wenige (Text)Dichter gelingt es – wie diesem John Prine – selbst simple oder schon unzählige Male beschriebene Sachverhalte in neue und dazu so schöne und bewegende Worte zu verpacken. Worte, die hängen bleiben, die Wirkung zeigen –  auch bei heutigen Country-Superstars wie Eric Church: „ Die Art, wie er – und auch Bruce Springsteen und Kris Kristofferson – Geschichten erzählen, hat mich schon immer berührt.“ Das vielleicht größte Kompliment bekam John Prine aber vor ein paar Jahren wohl von Jakob Dylan, dem Sohn vom großen Bob. Auf die Frage, nach dessen Vorbild nannte er nicht – wie zu erwarten gewesen wäre – seinen Daddy, sondern: richtig, John Prine. „Er ist mit einer besonderen Gabe geboren“, sagte Jakob Dylan, „und er geht richtig in die Tiefe.“ Happy Birthday, Mr. John Prine!

Hört hier sein hervorragendes Debütalbum John Prine aus 1971: