Vor dreizehn Jahren begann der Sohn der Country-Legenden Waylon Jennings und Jessi Colter mit dem Album Put The „O“ Back In Country seine Karriere im Outlaw-Country-Fach. Seitdem hat sich Waylon Albright „Shooter“ Jennings genauso als Traditionalist wie auch als visionärer Erneuerer einen Namen gemacht, dem Industrial Rock-Einflüsse und Achtziger-Synthesizer-Experimenten nicht fremd sind. Sein aktuelles und achtes Album hört schlicht auf Namen Shooter und stellt in mehrerlei Hinsicht eine Rückkehr zu den Ursprüngen dar: Jennings huldigt hierauf nicht nur seinem Idol Hank Williams Jr., sondern sieht sich auch mit Debüt-Produzenten und Freund Dave Cobb (Jamey Johnson, Sturgill Simpson, Chris Stapleton) wiedervereint.

Shooters und Cobbs Wege sollten sich zunächst bei der gemeinsamen Produzentenarbeit an Brandi Carliles atemberaubenden Album By The Way, I Forgive You erneut kreuzen, was schließlich den Ausgangspunkt für die neue Shooter-Platte bildete. „Ich wollte danach unbedingt ein traditionelles Country-Album im Hank-Williams-Jr.-Stil mit Dave machen“, erklärt Jennings begeistert, „Ich bin riesiger Hank-Jr.-Fan, er war schon immer ein großer Einfluss für mich – die Zeit war einfach reif dafür. Ich liebe Hank Senior, keine Frage, aber Junior steht bei mir einfach noch höher im Kurs. Ich bin Teil dieses exklusiven, fast geheimen Hank-Jr.-Kults. Wenn du jemanden triffst, der einen seiner Songs kennt, kannst du mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass er alle seine Lieder auswendig kennt. Es ist ein Club für Eingeweihte, wenn man so will“, gibt der Sänger grinsend zu Protokoll.

Quasi als Gegenentwurf zu seinen eigenen Experimenten und jenen, die aktuell in der (Alternative-)Country-Szene zu beobachten sind, hat Shooter zusammen mit seinem alten Kumpel Cobb ein Album eingespielt, welches hörbar den puren und unverfälschten Boogie-Woogie- und Honky-Tonk-Party-Geist von (nicht allein) Hank Jr. atmet.

Shooter Jennings – „D.R.U.N.K.“ (2018):

„Im Studio saß Dave an der Gitarre und ich am Piano und so haben wir die Songs ausgearbeitet. Wir beide harmonieren noch mehr als beim Songschreiben miteinander, wenn es ums Arrangieren geht. Nachdem wir das musikalische Gerüst und den Klang für das gesamte Album konstruiert hatten, sind die meisten Texte dann erst im Nachhinein entstanden“. Prominente Unterstützung erfuhren die beiden in Folge von einer ganzen Reihe alter Hasen. Zu Shooters Begleitmusikern zählen unter anderem der von seinen früheren Solo-Alben bekannte (Slide-)Gitarrist Leroy Powell, dessen Bruder Chris Powell (Colter Wall, A Thousand Horses) am Schlagzeug, Steel-Guitar-Ass Fred Newell (Waylon Jennings, Reba McEntire) und Brian Allen (Jamey Johnson) am Bass.

Dass Jennings neben seines Faible für Hank Jr. das Werk seines Vaters Waylon natürlich ebenso wertschätzt, liegt auf der Hand und geht über Tribut-Touren mit großen Teilen dessen ehemaliger Backing-Band, The Waylors, unter dem Namen Shooter Jennings & Waymore’s Outlaws hinaus. „Ich mag all seine Alben, liebe aber vor allem die aus den späten Siebzigbern. Das Songwriting, der Sound, Richie Albrights Schlagzeugspiel – das war ihr musikalischer Zenit. Mein Vater war allerdings auch in der Hinsicht ein Vorbild für mich, weil er Musik um der Musik willen geliebt und gelebt hat – und das nie mit kommerziellen Hintergedanken. Ich bin jedenfalls nicht so erzogen worden, dass Musik nur ein Mittel zum Geldverdienen ist. Der künstlerische Aspekt, der kreative Ausdruck war meinem Vater hoch und heilig.“

Shooter Jennings – „Fast Horses and Good Hideouts“ (2018):

Der Outlaw-Apfel fällt also nicht weit vom Stamm. Bei seiner musikalischen Selbstverwirklichung ist Shooter Jennings jedenfalls auf Traditions-Terrain genauso stilsicher unterwegs wie, wenn er mal wieder über den Genre-Tellerrand schaut. „Ich hab Spaß daran, die Leute zu überraschen und will mich nicht auf eine einzige Sache festlegen. Meine künstlerischen Freiheiten sind mir wichtig, ich mag es, die Formel zu variieren. Ich bin mein eigener Herr was die Ausrichtung meiner Platten angeht und das genieße ich sehr. Und so wird es hoffentlich auch in Zukunft bleiben“, stellt der 39-Jährige in Aussicht.

Hört hier rein in das Album: